Project

Das Online-Archiv Falscher Hase ist eine künstlerische Arbeit von Jana Müller, die Recherchen und Forschungsansätze zeigt, um den Prozess dieses Langzeitprojekts (seit 2019) zu fokussieren. Ausgangspunkt sind zahlreich geführte Gespräche mit ihrem Vater, der in der DDR als Kriminalist tätig war. Verbrechen gab es offiziell in diesem Land nicht, dennoch hat ihr Vater viel zu berichten. Jana Müller setzt die Geschichten ihres Vaters ins Verhältnis zur Gegenwart, in der Verbrechen geschehen und zeitgleich in den sozialen Netzwerken angeschaut werden können. Sie begibt sich auf Spurensuche an verschiedene Orte und in diverse Archive, um Material für ihre Forschung zu sammeln. So haben sich zum Beispiel parallel zu den Interviews die Attentate in Christchurch (NZ) und Halle/Saale (D) ereignet. Ein Teil ihrer Familie lebt in Neuseeland, am anderen Ende der Welt, und Jana Müller wurde in Halle/Saale geboren. Die Künstlerin versucht mit dem Aufsuchen und Dokumentieren der unterschiedlichen Orte zeitliche Überlagerungen sichtbar zu machen und zu hinterfragen. Sie arbeitet dabei mit Spuren der Vergangenheit, die in die Gegenwart hineinragen, und kreiert somit eine individuelle, aber auch zeitgleich mit Fakten bestückte kollektive Rekonstruktion von Geschichte. Die Entdeckungen und Freilegungen ihrer Forschung sind hier einsehbar und folgen einem Spurensystem, welches Zeitebenen und Verweise integriert. An den Tagen der Gespräche kocht der Vater Hackbraten, dieses wunderbare Ritual gab der Künstlerin den Namen für das Projekt Falscher Hase.

The online archive Falscher Hase is an artistic work by Jana Müller, which makes research approaches visible as a process of this long-term project (since 2019). The starting point is numerous conversations with her father, who worked as a police detective in the GDR. Crime did not officially exist in this country, yet her father has much to report. Jana Müller places her father’s stories in relation to the present, in which crimes happen and can be viewed simultaneously on social networks. She goes in search of clues in numerous places and archives to collect material for her research. For example, parallel to these conversations, the terror attacks in Christchurch (NZ) and Halle/Saale (D) took place. Jana Müller was born in Halle/Saale and part of her family lives in New Zealand, on the other side of the world. By seeking out and documenting these different contexts, the artist tries to make temporal overlaps visible and to question them. In doing so, she works with traces of the past that project into the present, thus creating an individual, but simultaneously factual, collective reconstruction of history. The discoveries and exposures of her research that can be seen here follow a system of evidence that integrate timeframes and personal references. On the days of the conversations with her father, he cooks meatloaf for dinner, and this ritual has given a name to the project; Falscher Hase.